IM-Zoom-Call: Von Marienthal bis heute – Arbeiter, Rechtsextremismus und die Krise der Sozialdemokratie

Beim Zoom-Call mit Marcus Strohmeier ging es ausgehend von der Marienthal-Studie um eine Frage, die die Sozialdemokratie bis heute beschäftigt: Was passiert politisch, wenn Arbeitsplätze verschwinden und Unsicherheit wächst – und welche Antworten brauchen die Menschen darauf?

Schon die Studie Die Arbeitslosen von Marienthal aus dem Jahr 1933 zeigt, wie stark Arbeitslosigkeit das Leben und auch politisches Verhalten verändert. Dabei kommt es nicht nur auf die soziale Lage selbst an. Entscheidend ist auch, welches politische Angebot vorhanden ist und welche Perspektive Menschen erkennen können.

Von dort führte uns Marcus Strohmeier direkt ins Heute. Arbeitsplatzverlust und die Angst davor spielen beim Wahlverhalten eine wichtige Rolle. Rechte Parteien greifen diese Unsicherheit auf und versprechen Veränderung. Das klingt nach Zukunft, führt inhaltlich aber oft zurück in eine vermeintlich bessere Vergangenheit.

Strohmeier verwies auch auf eine internationale Studie aus dem Jahr 2020. Sie zeigt, dass frühere sozialdemokratische Wähler nicht automatisch zu rechten Parteien wechseln. Viele werden zu Nichtwählern, andere wechseln zu grünen oder liberalen Parteien. Ein inhaltlicher Rechtsruck der Sozialdemokratie führt laut dieser Studie ausdrücklich nicht zu besseren Wahlergebnissen.Die Studie lässt allerdings eine entscheidende Frage offen: Was muss Sozialdemokratie tun, damit Menschen sie wieder wählen?

Nur Verschlechterungen zu verhindern und Bestehendes zu bewahren, wird dafür nicht reichen. Die Sozialdemokratie braucht eine eigene Vorstellung davon, wohin wir uns entwickeln wollen: eine Zukunftserzählung für eine moderne, solidarische Gesellschaft.

Damit war der Blick auf Marienthal an diesem Abend vor allem eines: ein Ausgangspunkt für die Frage, was Sozialdemokratie heute wieder  Menschen anbieten muss, die sich um ihre Arbeit, sozialen Abstieg und ihre Zukunft sorgen.

Vielen Dank an Marcus Strohmeier und an alle, die mitdiskutiert haben.